Hamburg als Zentrum für Forschungsprojekte

Innovationen gehören zur Luftfahrt, seit die Wright-Brüder den ersten Motorflug absolvierten. Die Branche lebt vom Fortschritt – und der ist gleichzeitig auch positiv für die Umwelt: So ist beispielsweise der Kerosinverbrauch heute um 40 Prozent niedriger als 1990 (3,68 Liter pro Passagier im Vergleich zu 6,3 Liter pro Passagier vor 25 Jahren). Die CO2- Emissionen sind um 18 Prozent gesunken, während die deutschen Luftverkehrsgesellschaften heute 63 Prozent mehr Personenkilometer zurücklegen als vor 25 Jahren. Woran arbeiten die Forscher heute und wie kann man das Fliegen künftig noch ökonomischer und komfortabler machen?

 

Nichts ist unmöglich
Intelligente Flugzeuge, die wie Vogelschwärme in Formation fliegen, um ihren Energieverbrauch zu verringern und die effizienteste Route wählen. Elektro-Jumbos oder Flugzeugoberflächen und Lacke, die Hai-Schuppen nachahmen und durch mikroskopisch kleine Rillen Treibstoff sparen – alles Science Fiction oder die Zukunft des Fliegens? Dagegen wirken Biotreibstoffe aus der Jatropha-Nuss (gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse), Algen oder Abfall beinahe etwas altbacken. Alles sind tatsächlich Entwicklungsprojekte, an denen Ingenieure und Forscher fieberhaft arbeiten, um sich den Herausforderungen der Branche zu stellen und das Fliegen noch ökonomischer zu machen.

 

Hamburg: Forschungszentrum für die Luftfahrt
Zahlreiche Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie Forschungsinstitute und Hochschulen sorgen dafür, dass Hamburg seine Spitzenposition als Forschungsstandort ausbaut. Think Tank und Motor der Innovation ist das ZAL, das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung. Die Institution vernetzt die Großindustrie sowie die kleinen und mittelständischen Unternehmen mit der Wissenschaft. Eine Kernkompetenz des Luftfahrtstandortes Hamburg ist der Bereich Kabine und Kabinensysteme. So findet die Preisverleihung des „Crystal Cabin Awards“ jährlich im Rahmen der Aircraft Interiors Expo in Hamburg statt. Es ist ein internationaler Innovationspreis für herausragende Produkte und Konzepte im Bereich der Flugzeugkabinenausstattung in Hamburg.

 

Sieger des Crystal Cabin Awards
Der diesjährige Crystal Cabin Award wurde an B/E Aerospace verliehen. Der US-amerikanische Hersteller entwickelte das Konzept „Solar Eclipse“. In der Sonnenblende des Fensters wird ein dünner Solarzellenfilm eingebaut, über den Passagiere während des Fluges elektronische Geräte aufladen können. Das System befindet sich zwar noch in der Entwicklung, der Hersteller strebt jedoch die baldige Serienzulassung an. 

 

Preis für grüne Energie von Diehl Aerospace  
Allein die Kaffeemaschinen in den Galleys verbrauchen bis zu 50 Prozent des Stroms an Bord, wenn sie eingeschaltet sind: einer der Gründe, weshalb sie erst nach Erreichen der Reiseflughöhe eingeschaltet werden dürfen. Die Idee des Konzepts „DACAPO“, entwickelt von Diehl Aerosystems, besteht in der Unterbringung einer Brennstoffzelle in einem Trolley einer sogenannten MAGIC galley. Von hier aus können eine oder mehrere der Bordküchen mit Energie versorgt werden. Derzeit kann eine solche Zelle die dreimalige Versorgung von 80 Passagieren während eines Langstreckenfluges sicherstellen. DACAPO wurde im vergangenen Jahr mit dem Crystal Cabin Award ausgezeichnet.

 

Brennstoffzellentechnik vermindert Energieverbrauch
In dem von Airbus geführten, in Hamburg entwickelten „Leuchtturmprojekt“ geht es ebenfalls um den Einsatz von Brennstoffzellen in Verkehrsflugzeugen und den damit verbundenen Innovationen für die Kabinentechnologie. Brennstoffzellen als Energieversorger bei elektrischen Systemen vermindern den Energieverbrauch, den CO2-Ausstoß und auch die Betriebskosten. Und sie sind multifunktional: Neben der elektrischen Energie werden auch die Nebenprodukte Wasser und Inertgas (reaktionsträge Gase) zum aktiven Brandschutz genutzt.

 

„More Electric Aircraft“
Ein weiterer Trend in der Luftfahrtbranche ist die Elektrifizierung der Luftfahrzeuge. Systeme werden zunehmend durch elektrische Komponenten unterstützt oder sogar ersetzt. Das ZAL verfolgt dieses sogenannte „More Electric Aircraft“-Konzept. Es fokussiert sich hier hauptsächlich auf Technologien wie die zapfluftfreie Aufbereitung der Kabinenluft (bleedless pack), Leistungselektronik oder e-Taxi. Diese Innovationen sollen den Verbrauch erdölbasierter Energie verringern. 

„Umwelt und Klimaschutz“ ist das treibende Thema für die kommenden 20 Jahre in der Flugzeugentwicklung – wir dürfen auf weitere Neuerungen gespannt sein …